Graffiti ziert TC-Sportheim

Gemeinsame Aktion von Mittelschule und Tennisclub
Seit einigen Tagen schmückt ein Graffiti eine Giebelwand des TC-Sportheims an der Montessoristraße. Der Club suchte die Zusammenarbeit zunächst mit der Franziska-Obermayr-Schule, fand sie dann im Leiter der Ganztagsbetreuung der Mittelschule (KAI e.V.), Frank Lehmann, und sechs kunstfreundlichen Jugendlichen der 7. Jahrgangsstufe. Im Zuge der Vorbereitung wurde schließlich auch der junge Langquaider Graffiti-Künstler Elias Oberländer, der derzeit in einem Abensberger Betrieb zum Vergolder ausgebildet wird, gewonnen und dann nahm alles seinen Lauf. Die Ideen der Schüler und des Graffiti-Experten wurden verschmolzen und die Spannung wuchs, wie in Zukunft die Tennisfreunde auf der gut 20 m² großen Wandfläche begrüßt werden. Dank TC-Ausschussmitglied und Bau-Fachmann Franz-Xaver Plabst wurde der teilweise schon bröckelnde Putz am Vereinsheim zuerst auf Vordermann gebracht und ein Gerüst aufgestellt, um die späteren künstlerischen Arbeiten zu erleichtern. Mittlerweile war die Entscheidung zugunsten eines „Bubble-Style“-Schriftzugs inclusive Vereinswappen gefallen, die dann unter Anleitung und Mitwirkung von Elias Oberländer von den Mittelschülern an die Wand gesprayt wurden. Elf verschiedene Sprühfarben mit Bezeichnungen wie „Bloody Mary“ oder „Lost Island“ – am Schluss überzogen mit einem Langlebigkeit garantierenden Schutzlack – ergeben nun ein farbenfrohes Bild, in dem das Rot und Weiß der Vereinsfarben dominieren.
   
Als das Graffiti noch im Entstehen war, und der Regen mal wieder für eine Unterbrechung sorgte, kamen die legalen Sprayer – übrigens auf der Wand „verewigt“ mit ihren Vornamen und dem Künstler-Pseudonym „ELIO“ –  mit dem Verfasser dieser Zeilen ins Gespräch. Elias Oberländer erzählte dabei von seinem Weg zur Graffiti-Kunst, die in Deutschland 1985 mit der Sprüh-Aktion am Gellendorfer Zug durch eine Handvoll Münchner Jugendliche Fahrt aufnahm. „Angefangen habe ich als Pinsel-Porträtmaler, ehe mich Graffitis an Autobahnen und Zügen inspiriert haben. 2019 startete ich meine ersten Versuche am heimischen Holzschuppen, die ich dann auf die Garage ausgeweitet habe.“ Auch der Leiter der Ganztagsbetreuung, Frank Lehmann, hat Bezug zum farbigen Gewerbe, denn sein Vater führte ein Malergeschäft, das vielleicht auch mit illegalen „Schmierereien“ zu tun hatte. Vom Vandalismus zur (Jugend-)Bewegung, zur Kunst und umgekehrt war und ist es ja  nur ein kurzer Weg!. Die Siebtklassisten Kevin W. und Xavier M. zeigten sich begeistert von der gemeinsamen Aktion von Club und Schule und würden Wände der Schule – ob außen oder innen – gerne auch auf diese Art und Weise gestalten, verschönern. Prima wäre es ihrer Ansicht nach außerdem, wenn ein Sprayer oder Writer wie Elias Oberländer mit im Boot wäre. Der junge Künstler, der Kontakte zur Sprayer-Szene in Berlin pflegt, hat auch anderswo in Langquaid – mit Genehmigung der Marktgemeinde – schon legale Graffiti-Spuren hinterlassen und plant derzeit ein 40 m²-Projekt im Landkreis Kelheim. Seinen sechs eifrigen Mitarbeitern zollte er große Anerkennung für Ideen  und praktische Ausführung.
Da auch viele Mitglieder und Gäste des Tennisclubs bisher nur positive Worte für „Piece“ (gesprühtes größeres Bild) und „Tag“ (Signatur) übrig hatten, droht hier keine Gefahr, dass sie wieder beseitigt werden müssen. 1985 beschäftigten die – allerdings illegalen – Spraykünstler die Polizei, und die Säuberungsaktion des 50 m langen Zugs kostete damals  6000 DM!

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